Ausgangssituation

Jeder von uns verbraucht täglich Torf: als Blumenerde und durch den Verzehr von Obst und Gemüse. Torf ist der wichtigste und bislang unersetzbare Rohstoff zur Herstellung von hochwertigen Substraten für den Gartenbau. Allein in Deutschland werden dafür jährlich 3 Mio. m³ Weißtorf verbraucht - weltweit sind es 30 Mio. m³ - und nach kurzer Nutzung als CO2 in die Atmosphäre freigesetzt.

Frästorfabbau in der Esterweger DoseWeißtorf wird in lebenden, nassen Mooren von Torfmoosen gebildet. Die Torfmoose wachsen und sterben ab, werden aber durch die wassergesättigten und sauren Bedingungen im Moor nur wenig zersetzt und akkumulieren so als Weißtorf. Auf diese Weise wächst das Moor Schicht für Schicht ganz langsam in die Höhe, etwa einen Millimeter pro Jahr.

Um den Weißtorf als Substrat zu nutzen, werden die sensiblen Ökosysteme entwässert, zerstört und die in Tausenden von Jahren gewachsenen Moore in wenigen Jahren abgegraben. Der im Torf langfristig festgelegte Kohlenstoff wird nach kurzer Nutzung als CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. Mit dem Torf verschwinden zudem Archive der Landschafts- und Menschheitsgeschichte unwiederbringlich.

Torfabbau im Dalumer Moor bei MeppenDa die Vorräte an abbaubarem Weißtorf in West- und Mitteleuropa nahezu erschöpft sind, importiert die Deutsche Torf- und Humuswirtschaft zunehmend Weißtorf aus immer entfernteren Regionen der Erde - seit der Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ überwiegend aus den Baltischen Staaten. Deutschland als derzeit europaweit größter Torfproduzent und -nutzer im Erwerbsgartenbau importierte 2006 1,8 Mio. m³ Torf (überwiegend Weißtorf) zur gartenbaulichen Nutzung.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen, resultierend aus den längeren Transportwegen und einer Verknappung des Weißtorfs, können eine Verteuerung der Substrate oder eine Abwanderung des Gartenbaus aus Deutschland sein.

Eine gleichwertige Alternative zu Torf im Gartenbau, die vergleichbar im Preis ist und in großen Mengen verfügbar sein könnte, fehlte bislang.

Biomasse von Torfmoosen hat die gleichen Eigenschaften wie Weißtorf und konnte in pflanzenbaulichen Versuchen erfolgreich getestet werden.

Die Kultivierung von Torfmoosen und die Anwendungsmöglichkeiten der Torfmoos-Biomasse wurden und werden bisher in vier Forschungsprojekten an der Universität Greifswald untersucht.